Richtig oder gar nicht

 

Richtig bloggen – das geht derzeit nicht. In den vergangenen Monaten sind einige andere Dinge wichtiger geworden als die Plauderei über Fußball. Zu kommentieren gab es täglich genug, wenn ich allein an die liebe Familie FIFA denke. Aber das wird an anderen Stellen zum Teil derart hinreißend gemacht, dass ich mir zu den allermeisten Themen meinen bescheidenen Senf sparen kann. Blogroll usw. werden weiter von mir gepflegt. Kleine Häppchen und Links gibt es nach wie vor weiter auf Facebook. Und tschüss erst einmal.

 

Sendeschluss

 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Nein, es ist nicht der Wolfsburger Gästeblock

… und auch keine Aufnahme von Hoffenheims Anhängerschaft neulich beim Auswärtsspiel auf Schalke. Viel schöner: Es ist der Türkiyemspor-Fan, der den Weg zum Regionalliga-Spiel in Magdeburg nicht nur gesucht, sondern auch gefunden hat.

Das Foto fand ich über den Umweg Trainer Baade im famosen Blog The DDR Oberliga – 20 years on…, eine Reise zu den 14 Clubs, die vor 20 Jahren um den letzten Titel der DDR spielten. Sehr skurril, lesens- wie sehenswert.

Was ich niemals verstehen werde XII

Nein, auch an dieser Stelle geht es nicht ohne den „Doktor“. Mir kommt so vieles sehr merkwürdig vor. Zum Beispiel:

Wie kann jemand diese Liebeserklärung posten?

Und drei Tage später, nachdem sich die „absolute Elite“ erledigt hat, diesen Satz?

Man beachte die Großschreibung des Wortes „Ihn“, überlicherweise verwendet, wenn von Monarchen oder Göttern die Rede ist. Nun denn – ich glaube, in diesem Fall beginne ich doch zu verstehen…

Was ist schon ein läppisches 0:3?

10. Februar 2001. Ich verbrachte den Nachmittag in Hamburgs Westen beim Spiel des HSV gegen den VfL Bochum. Der 14. gegen den 18. der Bundesliga-Tabelle – und genau so ein Spiel wurde es dann auch. Wieso prägen sich gerade diese Graupenkicks so sehr ins Gedächtnis ein? Wieso gerade die vielen Fahnen des VfL-Anhangs mit blauen Herzen auf weißen Grund, die irgendwann einmal als Zeichen des Protests umgedreht wurden – in eine blau-weiße Arschparade? Ach ja, die Partie endete 3:0 für den kreuzschwachen HSV gegen den praktisch nicht existenten VfL. Anthony Yeboah schoss sein erstes und einziges Saisontor. Außerdem wurde irgendwann in der zweiten Halbzeit die Rudelbildung erfunden – ach ja, und Schiedsrichter wohnt bei mir um die Ecke, was dem VfL an dem Nachmittag aber auch nicht half:

HSV - Bochum 10.2.2001

Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass mein Kollege M.S. (ein HSV-Hool, der damals noch nicht gleichzeitig Mitglied im St.-Pauli-Fanclub war) und ich gefühlte sechs Stunden vor oder im Elbtunnel standen, uns gemeinschaftlich über die Qualität des Spiels auskotzten und uns die Sinnfrage stellten – wieso tut man sich so etwas bloß immer wieder an? (Dabei hatte „sein“ Club ja sogar gewonnen.) Was kann ein Club seinen Fans also zumuten? Okay, wenn Bochum nach jeder deftigen Auswärtsniederlage dieser Art zehn Leute verloren hätte, dann könnte man das Ruhrstadion mangels Besuchern längst schließen. Die wahre Prüfung kam aber erst noch: in Gestalt von ROLF SCHAFSTALL, der drei Tage später als Nachfolger des Trainers Ralf Zumdick aus dem Hut – bzw. aus der Mottenkiste – gezaubert wurde. Er hatte zuletzt die „Rosen im Garten geschnitten und die Meisen gefüttert“ – eine Art Hans Meyer des Ruhrpotts also, nur leider erstens nicht mit den gleichen Fähigkeiten und zweitens nicht mit dem gleichen Erfolg. Was kann man den Fans zumuten? Ein 0:3 hier und da schon. Aber einen Rolf Schafstall? Im Jahr eins nach dem Debakel mit Erich Ribbeck bei der EM, als eigentlich mal neue Ideen gefragt waren? Einen Mann, der zuvor unter anderem bei Stahl Brandenburg gescheitert war und Hannover 96 in die 1. Bundesliga führen wollte, aber auf einen Abstiegsplatz der 2. Liga führte. Usw. Ein Mann, der offenbar nur geholt wurde, um meine Leidensfähigkeit zu testen.

An die folgenden Monate im Jahr 2001 kann ich mich übrigens gar nicht mehr erinnern.

Nur noch an eine Geschichte in den 11 Freunden, in denen es auch um die Leidensfähigkeit von Fans ging. Nach dem Motto: Was würdest du tun, wenn dein Verein Carsten Jancker holt? Gut, dass Schafstall offenbar nie näher Bekannschaft mit Jancker geschlossen hatte.

Schmuse-Kicken mit Soccer-Sozialisten

Komisch, dass es weder im Kicker noch in der Sport-Bild und erst recht nicht bei den 11 Freunden eine Kolumne für beleibte Amateur-Fußballer gibt: Wie nehme ich x Kilo in y Wochen ab, wie mache ich mich fit für die nächste Saison? Läufer hingegen können gar nicht genug bekommen von diesen Tipps: Wie werde ich schnell, ausdauernd, schlank, glücklich und gesund? Es mag vielleicht doch an gewissen Unterschieden in der grundsätzlichen Einstellung liegen: Wie viele der rund 35.000 Starter beim Berlin-Marathon stellen sich mit einem gewissen Restalkohol-Pegel, drei Koteletts im Magen oder sechs Wochen Trainingsrückstand in den Beinen an die Startlinie? Und wie viele Kreisliga-Fußballer mit diesem Handicaps auf den Platz? Fußball ist immerhin auch ein Laufspiel, auch wenn es ein paar prominente Ausnahmen gibt:

Ailton

Ganz anderes Thema. Ein Herr namens Peter Greif und meine Wenigkeit haben zwei Gemeinsamkeiten: Wir stammen beide aus Seesen/Harz und wir laufen Marathon, obwohl wir eigentlich viel zu groß und zu schwer für diese Distanz sind (keine Bange, eigentlich ist jeder Mensch über 1,70 m und 60 kg zu groß und zu schwer für diesen Sport) . Während ich aber eher nach dem Motto „dabei sein ist alles und Vorletzter werden ist doch auch ein Erfolg“ meine Runden drehe, ist Greif ein wirklich harter Bursche und dazu noch einer, der gern provoziert. Er lästert über Jogger (quasi alle Leute, die 10 km nicht in 40 Minuten laufen) wie Achim Achilles über Walker, seine Trainingspläne sind berühmt-berüchtigt. 30 km sind für ihn kein langer Lauf – 35 km sollten es schon sein. Ich amüsiere mich trotztdem Woche für Woche über seinen Newsletter. Vor einer Woche stellte er zum Beispiel diese Rechnung für die Ermittlung der Marathon-Zeit aus der letzten 10-km-Wettkampfzeit auf:

A-Läufer(innen): Hervorragend ausdauertrainierte trainingsältere Läufer(innen) mit mindestens 5 Jahren Trainingserfahrung, gelaufenen 5 Marathons und Umfängen > 140 km/Woche: 10 km Wettkampfzeit x 4,55

B-Läufer(innen): Sehr gut ausdauertrainierte Läufer(innen) mit mindestens 3 Marathons und Umfängen > 120 km/Woche: 10 km Wettkampfzeit x 4,6

C-Läufer(innen): Gut ausdauertrainierte Läufer(innen) mit mindestens einem Marathon und Umfängen > 100 km/Woche: 10 km Wettkampfzeit x 4,7

D-Läufer(innen): Mäßig ausdauertrainierte Läufer(innen) mit mindestens einem Marathon und Umfängen > 80 km/Woche: 10 km Wettkampfzeit x 4,8

F-Läufer(innen): Schlecht ausdauertrainierte Läufer(innen) mit mindestens einem Marathon und Umfängen > 60 km/Woche: 10 km Wettkampfzeit x 4,9

Und als Letztes kann ich dir die nachfolgende kleine Bosheit nicht ersparen: Sind deine Faktoren noch schlechter als die der F-Läufer, dann solltest du noch weg bleiben von den 42,2 km. Und wenn du sie dennoch läufst und mit dem miesen Faktor endest, dann bist du für mich immer noch ein Jogger(in) und kein Marathonläufer(in).

Gibt es keine E-Läufer(innen)? Ich schaffe es für vielleicht sechs Wochen pro Jahr mühsam in die Kategorie F, war aber bei meinem letzten Marathon immerhin drei Minuten schneller, als von Meister Greif errechnet. Und dabei bin ich – auch dies ein Service der Greif-Homepage – in der Marathon-Bestenliste des vergangenen Jahres bei den deutschen Männern auf Platz 26152 von 83709 zu finden und habe mich um rund 8000 Plätze verbessert. So stolz war ich. Bis ich jetzt las, dass ich doch nur mit viel Wohlwollen ein F-Läufer bin.

Im jüngsten Newsletter nahm Greif noch mehr Fahrt auf. Er beginnt zunächst mit einem überraschenden Lob: „Wer einen Marathon bestritten hat und durchgelaufen ist, ist ein Held.“ Ob er nun drei, vier oder sechs Stunden benötigt hat, „kämpfen und leiden“ musste er immer. Aber unerbittlich nimmt sich der Seesener die nächste Gruppe vor:

Die Schlaffsäcke, Weicheier, Running-Sozialisten und Schmusejogger vermehren sich schneller, als die Ehrgeizigen trainieren können. Denn heute meinen schon viele, wenn sie unfallfrei einen Halbmarathon laufen können, sind sie die großen Helden. … Es gibt Typen die recken sich, schieben den Unterkiefer nach vorn und sagen: „Halbmarathon bin ich sogar schon unter 2 h gelaufen“.

Das ruft bei mir traumatische Reaktionen hervor wie, Weinkrämpfe, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Wer sich mit so einer Trainingszeit brüstet, drückt die sportlichen Normen immer weiter nach unten. Als junger und gesunder Mann würde ich mit jedem Trick versuchen, so ein Resultat von 1:58 h geheim zu halten. … So eine Zeit verzeihe ich nur Anfängern, Fetten, Alten und Kranken. Für die anderen ist das Lustwandeln, aber kein Wettkampf.

Nun, genug von Greif und der Lauferei. Interessant wäre es zu wissen, was Greif wohl schreiben würde, wenn er Fußballer wäre und kein Läufer. Gibt es überhaupt einen Greif für Fußballer, der da sagt oder schreibt, dass Kreisliga für ihn nur eine Herumtreterei von Soccer-Sozialisten und alles unter der Regionalliga sowieso nur Schmuse-Kicken ist? Wenn es einen gibt – er dürfte nicht viel Geld mit seinen Texten verdienen.

Manchmal wünsche ich den Fußballern aber ein bisschen mehr Greif-Mentalität. Man steht nicht praktisch schon auf der Schwelle zum Profisport, wenn man sich zweimal pro Woche quält. Man erarbeitet sich nicht die Grundlagenausdauer für ein ganzes Jahr mit drei Joggingeinheiten im Hochsommer, wenn der Platz noch gesperrt ist. Und es sind auch keine nordkoreanischen Methoden, wenn ein Trainer seine Spieler am Abend vor einem wichtigen Spiel lieber im Bett als an der Theke sehen will.

Foto: 11 Freunde

16 Punkte sind doch nix

Nachdem an diversen Stellen gefragt wurde, ob denn der Herbstmeister oder doch der Fünftplatzierte deutscher Fußball-Meister 2011 wird, und ich mich diverse Male über diese Fokussierung auf immer die gleichen Bayern geärgert habe, gibt’s jetzt die erste Abstimmung von mir. Basta!

Ulmer Untergang

Was haben der SSV Reutlingen, Eintracht Bamberg, Rot Weiss Essen, Bonner SC, Waldhof Mannheim und Tennis Borussia Berlin gemeinsam? Alle sechs Vereine mussten in der Vorsaison die Fußball-Regionalliga mangels Lizenz oder nach einer Insolvenz verlassen. Hansa Rostock II räumte freiwillig seinen Platz, sodass es am Ende in den drei Staffeln zusammen gerade drei sportliche Absteiger gab. Im Westen durfte selbst Schlusslicht Eintracht Trier den Klassenerhalt bejubeln (und spielt mittlerweile um den Aufstieg mit). Regionalliga gleich Pleiteliga? Offenbar schon, denn mit dem SSV 1846 Ulm steht jetzt wegen einer Insolvenz schon wieder ein Zwangsabsteiger fest.

SSV UlmUlm, da war doch was? Die Baden-Württemberger dürften wohl als einer unbekanntesten Erstligisten in die Fußball-Geschichte eingehen. Sie stiegen 1999 zusammen mit dem Exoten Unterhaching auf, dem kleinsten Bundesliga-Ort aller Zeiten, der entsprechend die Aufmerksamkeit an sich zog. Während Haching die Klasse locker hielt und am letzten Spieltag auch ein wenig Fußball-Geschichte schrieb, brach Ulm am Ende der Serie ein und musste die Liga nach einem 1:2 am letzten Spieltag in Frankfurt verlassen. In Erinnerung geblieben war vor allem ein 1:9 gegen Leverkusen, das Anfang vom Ulmer Ende. Und dieses 1:2 in Rostock am vierten Spieltag. Mit acht Mann gegen elf den Ausgleich schießen – Respekt. Schiedsrichter Herbert Fandel schickte nicht nur insgesamt vier Ulmer vom Platz, sondern auch den Trainer und den Manager auf die Tribüne. Der damalige Ulmer Sascha Rösler („Ich hätte eigentlich auch runter gemusst“) kann sich immer noch gut daran erinnern, wie mies sich die Ulmer Truppe nach der Partie auf der Busfahrt Richtung Heimat fühlte. Die ganze Story ist noch auf Spiegel online zu finden.

Rostock wurde übrigens am Ende der Saison 15., Ulm mit exakt drei Punkten weniger 16. und damit Absteiger.

Wenn ich König von Deutschland wär’

… dann wäre erst einmal Schluss mit lustig und tolerant, dann würde ich für die erste Woche meiner Regierungszeit die sieben biblischen Plagen des 21. Jahrhunderts einfach verbieten. Als da wären:

1. Spielhallen – dass die Automatenaufsteller an diesen unwirtlichen Orten mehr oder weniger armen Gestalten einige Millarden Euro pro Jahr aus den Taschen ziehen, scheint niemanden wirklich aufzuregen.

2. Tütensuppen, Smoothies und ähnliche Vorspiegelungen von Lebensmitteln – bäh!

3. Silvesterfeuerwerk – stinkt, ist laut, gefährlich und erschreckt meine Katzen.

4. Autotuning – warum, weshalb, wieso?

5. Rennrodeln – für mich die unsinnigste, unästhetischte, unsportlichste Sportart überhaupt.

6. Dumm-TV – Verkaufssender, Quizsender, Astrologiesender, Sektensender. Mit einem Wort: Mattscheibe.

7. Alles, was mich in den vergangenen zwei Monaten vom Bloggen abgehalten hat.

Da wird Frank Mill blass vor Neid

Ohne Worte. Absolut ohne Worte…

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.