Was ist schon ein läppisches 0:3?

10. Februar 2001. Ich verbrachte den Nachmittag in Hamburgs Westen beim Spiel des HSV gegen den VfL Bochum. Der 14. gegen den 18. der Bundesliga-Tabelle – und genau so ein Spiel wurde es dann auch. Wieso prägen sich gerade diese Graupenkicks so sehr ins Gedächtnis ein? Wieso gerade die vielen Fahnen des VfL-Anhangs mit blauen Herzen auf weißen Grund, die irgendwann einmal als Zeichen des Protests umgedreht wurden – in eine blau-weiße Arschparade? Ach ja, die Partie endete 3:0 für den kreuzschwachen HSV gegen den praktisch nicht existenten VfL. Anthony Yeboah schoss sein erstes und einziges Saisontor. Außerdem wurde irgendwann in der zweiten Halbzeit die Rudelbildung erfunden – ach ja, und Schiedsrichter wohnt bei mir um die Ecke, was dem VfL an dem Nachmittag aber auch nicht half:

HSV - Bochum 10.2.2001

Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass mein Kollege M.S. (ein HSV-Hool, der damals noch nicht gleichzeitig Mitglied im St.-Pauli-Fanclub war) und ich gefühlte sechs Stunden vor oder im Elbtunnel standen, uns gemeinschaftlich über die Qualität des Spiels auskotzten und uns die Sinnfrage stellten – wieso tut man sich so etwas bloß immer wieder an? (Dabei hatte “sein” Club ja sogar gewonnen.) Was kann ein Club seinen Fans also zumuten? Okay, wenn Bochum nach jeder deftigen Auswärtsniederlage dieser Art zehn Leute verloren hätte, dann könnte man das Ruhrstadion mangels Besuchern längst schließen. Die wahre Prüfung kam aber erst noch: in Gestalt von ROLF SCHAFSTALL, der drei Tage später als Nachfolger des Trainers Ralf Zumdick aus dem Hut – bzw. aus der Mottenkiste – gezaubert wurde. Er hatte zuletzt die “Rosen im Garten geschnitten und die Meisen gefüttert” – eine Art Hans Meyer des Ruhrpotts also, nur leider erstens nicht mit den gleichen Fähigkeiten und zweitens nicht mit dem gleichen Erfolg. Was kann man den Fans zumuten? Ein 0:3 hier und da schon. Aber einen Rolf Schafstall? Im Jahr eins nach dem Debakel mit Erich Ribbeck bei der EM, als eigentlich mal neue Ideen gefragt waren? Einen Mann, der zuvor unter anderem bei Stahl Brandenburg gescheitert war und Hannover 96 in die 1. Bundesliga führen wollte, aber auf einen Abstiegsplatz der 2. Liga führte. Usw. Ein Mann, der offenbar nur geholt wurde, um meine Leidensfähigkeit zu testen.

An die folgenden Monate im Jahr 2001 kann ich mich übrigens gar nicht mehr erinnern.

Nur noch an eine Geschichte in den 11 Freunden, in denen es auch um die Leidensfähigkeit von Fans ging. Nach dem Motto: Was würdest du tun, wenn dein Verein Carsten Jancker holt? Gut, dass Schafstall offenbar nie näher Bekannschaft mit Jancker geschlossen hatte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.